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Inventur

Inventur bedeutet die mengenmäßige Bestandsaufnahme (→ Bewertung von Wirtschaftsgütern) aller aktiven und aller passiven Wirtschaftsgüter des Betriebsvermögens. Das Ergebnis wird im → Inventar (mengen- und wertmäßiges Bestandsverzeichnis) festgehalten und zu einem Jahresabschluss zusammengefasst.

Durchführung der Inventur

Bei der Inventur müssen nach § 240 Abs. 1 HGB alle Vermögensgegenstände, die dem Betrieb dienen, genau aufgezeichnet und im Einzelnen bewertet werden. Die Erfassung hat durch körperliche Bestandsaufnahme zu erfolgen, also durch Messen, Zählen, Wiegen. Wenn eine körperliche Bestandsaufnahme tatsächlich nicht möglich ist, wie z. B. bei Forderungen oder Schulden, muss die Erfassung auf andere Art und Weise sichergestellt werden. Das geschieht beispielsweise durch Kontoauszüge bei den Bankguthaben.

Nach § 240 Abs. 2, § 242 Abs. 1 und 2 HGB haben Kaufleute für den Schluss eines jeden Geschäftsjahrs ein Inventar, eine Bilanz und eine Gewinn- und Verlustrechnung aufzustellen. Das Inventar, in dem die einzelnen Vermögensgegenstände nach Art, Menge und unter Angabe ihres Wertes genau zu verzeichnen sind, ist aufgrund einer körperlichen Bestandsaufnahme (Inventur) zu erstellen (H 5.3 [Inventur] EStH).
Nach § 240 Abs. 2 HGB besteht die Verpflichtung, für jeden Bilanzstichtag auch ein Verzeichnis der Gegenstände des beweglichen Anlagevermögens aufzustellen (Bestandsverzeichnis, R 5.4 Abs. 1 EStR). In das Bestandsverzeichnis müssen sämtliche beweglichen Gegenstände des Anlagevermögens, auch wenn sie bereits in voller Höhe abgeschrieben sind, aufgenommen werden. Ausnahmen gelten für geringwertige Wirtschaftsgüter (§ 6 Abs. 2 EStG; → Geringwertige Wirtschaftsgüter), für Wirtschaftsgüter, die in einem Sammelposten erfasst werden (§ 6 Abs. 2a EStG) und für Wirtschaftsgüter, die mit einem → Festwert angesetzt sind. Das Bestandsverzeichnis muss

  • die genaue Bezeichnung des Gegenstandes und
  • seinen Bilanzwert am Bilanzstichtag enthalten.

Das Bestandsverzeichnis ist aufgrund einer jährlichen körperlichen Bestandsaufnahme aufzustellen.
Bei Gegenständen des beweglichen Anlagevermögens, für die zulässigerweise ein Festwert angesetzt wird, ist im Regelfall an jedem dritten, spätestens aber an jedem fünften Bilanzstichtag eine körperliche Bestandsaufnahme vorzunehmen (R 5.4 Abs. 3 EStR).

Zeitnahe Inventur

Die Inventur hat zeitnah zu erfolgen, am besten am Inventurstichtag (Betriebsbeginn, Bilanzstichtag).
Nach R 5.3 Abs. 1 EStR bedeutet zeitnah in der Regel eine Frist von zehn Tagen vor oder nach dem Bilanzstichtag.

Quelle: DATEV LEXinform