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Finanzverwaltung lässt Aufstockung von Investitionsabzugsbeträgen in einem Folgejahr zu

Mit Urteil vom 12.11.2014 entschied der Bundesfinanzhof, dass ein Investitionsabzugsbetrag
in der Fassung des Unternehmensteuerreformgesetzes 2008 in einem Folgejahr innerhalb
des dreijährigen Investitionszeitraums bis zum gesetzlichen Höchstbetrag
aufgestockt werden kann.
Die Finanzverwaltung, die eine andere Meinung vertreten hatte, wendet das Urteil
nunmehr für die Erhöhung (Aufstockung) von Investitionsabzugsbeträgen,
die in vor dem 1.1.2016 endenden Wirtschaftsjahren in Anspruch genommen worden
sind,
allgemein in allen noch offenen Fällen unter folgenden Voraussetzungen
an:

  • Maßgebende Betriebsgrößenmerkmale: Die Erhöhung
    eines in einem Vorjahr für eine bestimmte Investition beanspruchten Investitionsabzugsbetrages
    setzt voraus, dass das maßgebende Größenmerkmal auch am Ende
    des Wirtschaftsjahres nicht überschritten wird, in dem die Erhöhung
    berücksichtigt werden soll.
    Das sind zzt. bei bilanzierenden Gewerbebetrieben oder der selbstständigen
    Arbeit dienenden Betrieben, ein Betriebsvermögen von 235.000 €,
    bei Betrieben der Land- und Forstwirtschaft ein Wirtschaftswert oder ein Ersatzwirtschaftswert
    von 125.000 € oder bei Betrieben, die ihren Gewinn nach § 4 Absatz
    3 ermitteln, ohne Berücksichtigung der Investitionsabzugsbeträge
    ein Gewinn von 100.000 €.

  • Maßgebender Investitionszeitraum: Die dreijährige Investitionsfrist
    beginnt mit Ablauf des Wirtschaftsjahres, in dem ein Investitionsabzugsbetrag
    für ein begünstigtes Wirtschaftsgut erstmals geltend gemacht wird.
    Eine Erhöhung des Abzugsbetrages in einem Folgejahr verlängert den
    Investitionszeitraum nicht.

  • Zeitpunkt der Inanspruchnahme von Erhöhungsbeträgen: Eine
    Erhöhung scheidet aus, wenn die Investitionsfrist bei Antragstellung
    abgelaufen ist und die Investition nicht durchgeführt wurde oder bei
    bereits durchgeführten Investitionen die Erhöhung erkennbar dem
    Ausgleich von nachträglichen Einkommenserhöhungen dient.

  • Erhöhung im Wirtschaftsjahr der Anschaffung oder Herstellung:
    Ein Abzug im Wirtschaftsjahr der Anschaffung/Herstellung des begünstigten
    Wirtschaftsgutes ist nicht möglich. Dies gilt auch für die Erhöhung
    von Investitionsabzugsbeträgen.

  • Rückgängigmachung: Bei Anschaffung oder Herstellung des
    begünstigten Wirtschaftsgutes sind die zuerst beanspruchten Teilabzugsbeträge
    vorrangig hinzuzurechnen. Soweit die insgesamt beanspruchten Investitionsabzugsbeträge
    für eine bestimmte Investition den Hinzurechnungsbetrag übersteigen
    und auch keine nachträglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten innerhalb
    des verbleibenden Investitionszeitraums anfallen, ist der verbleibende Investitionsabzugsbetrag
    rückgängig zu machen. Dabei sind die zuletzt beanspruchten Teilabzugsbeträge
    vorrangig rückabzuwickeln.