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Nachforderung von Architektenhonorar nach "Schlussrechnung"

Ein Architekt ist zwar grundsätzlich berechtigt, auch nach einer erteilten
Schlussrechnung eine weitergehende Forderung geltend zu machen. Hieran kann er aber nach Treu und Glauben gehindert sein. Die Bindung des Architekten
ergibt sich noch nicht aus der Erteilung einer Schlussrechnung allein, sie setzt
vielmehr eine umfassende Abwägung der beiderseitigen Interessen voraus.

In seiner Entscheidung vom 19.11.2015 stellt der Bundesgerichtshof fest, dass
der Architekt dann an eine Schlussrechnung gebunden ist, wenn der Auftraggeber
auf eine abschließende Berechnung des Honorars vertrauen durfte und er
sich im berechtigten Vertrauen auf die Endgültigkeit der Schlussrechnung
in schutzwürdiger Weise so eingerichtet hat, dass ihm eine Nachforderung
nicht mehr zugemutet werden kann.

Allein die Bezahlung der Schlussrechnung ist jedoch keine Maßnahme, mit
der sich der Auftraggeber auf die Endgültigkeit der Schlussrechnung einrichtet.
Auch der Zeitraum zwischen der Erteilung und dem Ausgleich der Honorarrechnung
des Architekten und der erstmaligen Geltendmachung eines weitergehenden Honorars
auf der Grundlage der Mindestsätze der Honorarordnung für Architekten
und Ingenieure macht die Zahlung eines Differenzbetrages zwischen einem abgerechneten
Pauschalhonorar und den Mindestsätzen der Honorarordnung für Architekten
und Ingenieure nicht unzumutbar.