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Schmerzensgeld nach augenärztlichem Behandlungsfehler

In einem Fall aus der Praxis litt eine 1997 geborene Frau seit ihrem 10. Lebensjahr
an Diabetes mellitus. Von 2007 bis 2009 befand sie sich in der augenärztlichen
Behandlung. Nach den Sommerferien 2008 suchte sie den Arzt mehrfach wegen fortschreitender
Verschlechterung ihrer Sehleistung auf, ohne dass dieser bis zur letzten Behandlung
im Februar 2009 eine Augeninnendruckmessung veranlasste.

Nach einer notfallmäßigen Aufnahme der Patientin wegen eines erhöhten
Augendrucks diagnostizierte die Augenklinik im März 2009 einen fortgeschrittenen
sog. grünen Star. In der Folgezeit musste sie sich operativen Eingriffen
am rechten und linken Auge unterziehen, die jedoch eine hochgradige Verschlechterung
ihrer Sehfähigkeit von zuvor noch über 60 % auf Werte unterhalb von
30 % nicht mehr verhindern konnten. Sie verlangte von dem Augenarzt u. a. ein
Schmerzensgeld von zunächst 45.000 €. Nach Bekanntwerden der Möglichkeit,
dass sie noch zu Lebzeiten erblinden könne, erhöhte sie die Forderung
auf 80.000 €.

Das Oberlandesgericht Hamm hat dazu entschieden, dass der Augenarzt aufgrund
eines groben Befunderhebungsfehlers haftet. Bei der letzten Behandlung im Februar
2009 wurde versäumt, eine Augeninnendruck- und eine Gesichtsfeldmessung
durchzuführen und so der Ursache der sich verschlechternden Sehfähigkeit
weiter nachzugehen. Wäre der erhöhte Augeninnendruck seinerzeit medikamentös
behandelt und die Frau als Notfall in eine Augenklinik eingewiesen worden, hätten
die später eingetretene Gesichtsfeldeinschränkung und der weitere
Verlust der Sehfähigkeit möglicherweise erheblich geringer ausfallen
können. Der Patientin sei ein Schmerzensgeld von 80.000 € zuzusprechen.