Ihre Steuerberater Richter & Ebner

Umsatzsteuer auf Grundstücksentnahme?

Seit dem sog. Seeling-Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) aus
dem Jahr 2003 können Unternehmer, die eine Immobilie sowohl
unternehmerisch als auch privat nutzen, die gesamte Vorsteuer aus den
Anschaffungs- oder Herstellungskosten steuerlich geltend machen. Im
Gegenzug unterliegt die private Nutzung Jahr für Jahr der
Umsatzsteuerpflicht. Der Zeitraum für die Ermittlung der
Bemessungsgrundlage der unentgeltlichen Wertabgabe wurde vom Gesetzgeber,
entgegen den ursprünglichen Vorstellungen, entsprechend dem
Beobachtungszeitraum von 50 Jahren auf 10 Jahre verkürzt.



Besonders schwerwiegende Folgen hat die Auffassung der Finanzverwaltung,
wonach bei einer Entnahme des Objekts aus dem Unternehmensvermögen am
Ende der unternehmerischen Tätigkeit die Entnahme Umsatzsteuerpflicht
auslöst, bei der der Verkehrswert der Immobilie zum Zeitpunkt der
Entnahme als Bemessungsgrundlage dienen würde. Dies führt zu
einer steuerlichen Doppelbelastung, da die Vorsteuer aus den privat
veranlassten Anschaffungs- oder Herstellungskosten mit Ablauf des 10-jährigen
Berichtigungszeitraums bereits vollständig zurückgezahlt wird.



Diese Besteuerungspraxis verstößt jedoch nach Auffassung vieler
Experten gegen die EU-Richtlinien. Aufgrund einer eingereichten Beschwerde
hat die Europäische Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen
die Bundesrepublik Deutschland eingeleitet. Die Kommission kann im
weiteren Verlauf den EuGH anrufen. Sollte das Verfahren wider Erwartet
nicht positiv für die Steuerpflichtigen ausgehen, kann die
Steuerpflicht ggf. durch geeignete Maßnahmen, wie z. B. einen
Verkauf der Immobilie an nahe Angehörige verhindert werden.



Anmerkung: Die Europäische Kommission plant eine Änderung
der Mehrwertsteuerrichtlinie, wonach die Vorsteuer bei gemischt genutzten
Grundstücken nur noch so weit abzugfähig bleibt, wie sie auf den
unternehmerisch genutzten Gebäudeanteil entfällt. Die spätere
Nutzungsänderung kann dann durch eine Vorsteuerberichtigung berücksichtigt
werden. Wer noch das derzeitig geltende Modell in Anspruch nehmen will,
sollte sich unbedingt beraten lassen.