Ihre Steuerberater Richter & Ebner

Unfall auf dem Weg zur Arbeit

Beschäftigte sind auf dem unmittelbaren Weg von und zur Arbeit gesetzlich
unfallversichert. Erforderlich ist allerdings ein sachlicher Zusammenhang zwischen
dem unfallbringenden Weg und der versicherten Tätigkeit. Biegt der Versicherte
vom unmittelbaren Weg falsch ab, so ist dies unschädlich, solange er am
Fahrziel festhält und den Weg zur oder von der Arbeit durch den (verkehrsbedingten)
Abweg nur unwesentlich verlängert. Dies entschied das Hessische Landessozialgericht
(LSG) in seinem Urteil vom 1.9.2015.

Im entschiedenen Fall wurde ein als Lagerist tätiger Mann aushilfeweise
in einem anderen Lager seines Arbeitgebers eingesetzt. Infolge eines verkehrswidrigen
Wendemanövers verunglückte er auf einer vierspurigen Bundesstraße.
Der Unfallort befindet sich nicht auf dem unmittelbaren Weg zwischen Wohnung
und Arbeitsstelle.

Die Berufsgenossenschaft lehnte die Anerkennung als Arbeitsunfall ab, da sich
der Mann zum Unfallzeitpunkt auf einem unversicherten Weg befand, ohne dass
hierfür betriebliche oder verkehrstechnische Gründe erkennbar waren.
Der Verunglückte erklärte, dass er wegen eines Staus eine andere Route
gewählt und sich bei schwierigen Licht- und Wetterverhältnissen verfahren
hatte.

Die Richter des LSG gaben ihm recht. Verfährt sich ein Versicherter, bleibt
er auch auf dem Abweg unfallversichert. Dies gilt jedenfalls so weit aufgrund
objektiver Umstände davon auszugehen ist, dass die Handlungstendenz unverändert
darauf gerichtet gewesen ist, den Arbeitsplatz zu erreichen. Eine verminderte
Aufmerksamkeit ist insoweit unerheblich. Auch bleibt der Versicherungsschutz
bestehen, wenn sich der Autofahrer wegen Dunkelheit, Nebel oder schlechter Beleuchtung
verfährt.